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Wald in Not - Borkenkäferkatastrophe in Niedersachsens Wäldern BDF schlägt Maßnahmenpaket vor

Erstellt von LV | |   Allgemein

Der Bund Deutscher Forstleute, Landesverband Niedersachsen, hatte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast im August die Einberufung eines Krisengipfels vorgeschlagen. Dieser hat - wenngleich in sehr kleinem Kreis - dann auch stattgefunden. Die Situation im Wald hat sich seit August leider weiter dramatisch verschlechtert.

Mit Hilfe einer Umfrage unter Forstleuten in Niedersachsen (Ergebnisse unter www.bdf-nds.de) hat sich der BDF einen Überblick vom Ausmaß der Katastrophe und der damit einhergehenden Belastungen für das Forstpersonal verschafft. Danach sind bereits jetzt rd. 10.000 ha Wald vernichtet worden, die wieder bepflanzt werden müssen. Das allein bedeutet einen Schaden von 50 - 100 Mio. € für die niedersächsische Forstwirtschaft. Und darin sind noch nicht eingerechnet die Verluste aus dem Holzpreisverfall, den hohen Forstschutzaufwendungen und den drastischen Zuwachsverlusten.

Der BDF hat Schlussfolgerungen in dem beigefügten Maßnahmencluster zusammengestellt. Am 25. Oktober hatten wir die Gelegenheit, darüber mit Ministerin Otte-Kinast ins Gespräch zu kommen.

Die Kernforderungen des BDF sind:

·         Mehr Forstpersonal zur Schadenseindämmung, für die Wiederbewaldung und für die  Bearbeitung entsprechender Förderanträge,

·         keine weiteren Personal/-Stelleneinsparungen im forstlichen Außendienst bei den Landesforsten,

·         Investition etwaiger Überschüsse aus der Bewirtschaftung des Landeswaldes in die Wiederbewaldung,

·         Intensivierung der Forstlichen Forschung (Klimafolgenforschung-Wald)

 

Sehr positiv: die Ministerin hat die Problematik erkannt und ist angesichts des Ausmaßes erkennbar betroffen. Auch hat Ihr Ministerium bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen. Beispielsweise wurden die Richtlinien zur finanziellen Förderung der Wiederaufforstung praxisnäher gestaltet und auch erhebliche Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt.

Es war aber auch klar, dass damit noch längst nicht absehbar ist, wer die Schadensbewältigung leisten soll. Die Borkenkäferkatastrophe hat nach unserer Einschätzung in diesem Jahr erst ihren Anfang genommen. Milliarden kleiner Käfer überwintern jetzt meist in der Bodenstreu und warten auf das Frühjahr, um ihren Fraß fortzusetzen. Auch wenn in diesem Jahr vom Forstwirt bis zum Forstwissenschaftler bereits alle „alles gegeben haben“, ist ein Ende nicht absehbar. Die Planungen für April/Mai 2019 laufen, um die dann ausfliegenden Borkenkäfer möglichst abzufangen. Wir Forstleute sind uns aber einig, dass die Katastrophenbewältigung noch Jahre in Anspruch nehmen wird.

Trotz des hohen Engagements der Beschäftigten der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt reicht deren Zeit nicht für eine umfassende Beratung von Waldbesitzern und Forstleuten. Auch hier ist personelle und organisatorische Verstärkung unbedingt erforderlich, u. a. um die laufende Forschung zu den Folgen des Klimawandels auf den Wald zu intensivieren. Denn: Auf dem Acker kann die Saat im nächsten Jahr neu ausgebracht werden – im Wald investieren wir mit der Pflanzung eines Baumes für Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte!