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Forum Wald und Klima in Wolfsburg Ein voller Erfolg – knapp 700 Gäste nahmen teil!

Ein voller Erfolg war das Forum Wald KlimainWolfsburg. Knapp 700 Besucher kamen zusammen. Es waren Forstleute, Waldbesitzer, Forstunternehmer, Forststudenten, Vertreter des ehren- und hauptamtlichen Naturschutzes und waldinteressierte Bürgerinnen und Bürger.

Organisiert wurde die Veranstaltung vom BDF Niedersachsen gemeinsam mit der IG BAU – und dies in außerordentlich vertrauensvoller und konstruktiver Zusammenarbeit.

 

Mehr Personal, so der Ministerpräsident Stephan Weil


 Sie stand unter der Schirmherrschaft vom Niedersächsischen Ministerpräsident Stephan Weil. Auch er war zugegen und hielt die Eröffnungsrede. Er gab ein klares Plädoyer für den Wald und für die darin arbeitenden Menschen: „… ich habe den klaren Eindruck, dass wir nicht über Personalabbau, sondern über Personalaufbau werden zu reden haben!“ so Weil. Das haben Forstleute seit Jahrzehnten nicht mehr gehört und folgerichtig gab es kräftigen Applaus aus dem Plenum.

Interessante Vorträge

Am Vormittag waren die Erlebnisberichte von 5 Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen zu hören. Anschließend hielt Prof. Dr. Ammer den Hauptvortrag „Erst die Gletscher, jetzt die Wälder: Wald und Waldbewirtschaftung im Klimawandel – Fakten, Prognosen, Strategien“. Prof.  Dr. Ammer ist es gelungen, die Auswirkungen der zunehmenden Wetterextreme auf unsere Baumarten zu erläutern und den Blick in die Zukunft des Waldes zu werfen. Und dabei ganz ernüchtert festzustellen: „Ich fürchte, wir werden davon ausgehen müssen, dass die Wetterentwicklung den ungünstigsten Prognosen des Klimawandels entspricht!“

Etwas Unruhe entstand bei der Ankündigung des Impulsvortrages von Dr. Krinke von Volkswagen zur Dekarbonisierungsstrategie des Konzerns – verlorengegangene Glaubwürdigkeit lässt sich eben nur mühsam wieder herstellen… Der Vortrag war aber ein echter Gewinn und ein wichtiger Blick auf die Ursachen des Klimawandels, sowie die Strategien des Wandels!

Die niedersächsischen Bezirks- und Revierförster passen in nur 6 Reisebusse!

Für 1,1 Millionen Hektar Wald in Niedersachsen stehen weniger als 400 Förster und Försterinnen zur Verfügung. Sie passen zusammen in nur 6 Reisebusse! Darauf wiesen Dirk Schäfer (Vorsitzende BDF Niedersachsen) und Peter Martensen (IG BAU) in ihrer Begrüßung hin.  Diese Tatsache stimmt alle Beteiligten sehr nachdenklich. Grund dafür ist der massive Personalabbau der letzten 25 Jahre. Die jetzt auf die Forstbetriebe zu rollende Arbeitswelle ist mit dem jetzigen Personalstamm nicht zu bewältigen! Aber es gibt auch ganz grundsätzlich die Sorge, dass das LÖWE-Programm (Langfristige Ökologische Waldentwicklung), mit seinen hohen fachlichen Standards, im Landeswald nicht mehr umsetzbar ist.  

Auch bei der Niedersächsischen Landwirtschaftskammer (LWK), die in Niedersachsen für die Beratung und Betreuung von Privat- und Kommunalwälder zuständig ist, sieht es nicht anders aus. Auch Sie gehören mit in die 6 Reisebusse!

 

 

Ein Bezirksförster ist zum Teil für 4.000 Hektar Wald, verteilt auf durchschnittlich 280 Waldbesitzer, zuständig. Es bedarf keiner Erklärung dafür, dass dadurch eine flächendeckend befriedigende Beratung und Betreuung schwer realisierbar ist.

Ohne öffentliche Unterstützung geht das nicht!

Bundes Forstministerin Julia Klöckner stellt 500 Millionen Euro für die Schadbewältigung Bundes weit zur Verfügung. Die Länder steuern im Rahmen der Kofinanzierung ebenfalls noch Geld dazu. Für Niedersachsen stünden dann rund 100 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre zur Verfügung. Allerdings fehlt es noch an den Kriterien, das Geld zielgerichtet einzusetzen. Klimagerecht soll es sein! Auch für den Landeswald hat Ministerpräsident Weil für die nächsten Jahre jeweils 15 Millionen Euro zugesagt. Zusammen mit dem zugesagten Personalaufbau kann das Geld eine große Hilfe sein.
 

LWK-Geschäftsbereichsleiter Forst, Rudolf Alteheld, hat Forstministerin Otte-Kinast im nachmittäglichen Forengespräch einen klar formulierten Hinweis mitgegeben: ohne Personalverstärkung wird es nicht möglich sein, das Geld sachgemäß den Waldbesitzern für notwendige Maßnahmen zukommen zu lassen. Er hat dabei sehr konkret danach gefragt, wie es hier zu einer Lösung kommen soll.

Spannend für den Landeswald: Die konkreten Aussagen des Ministerpräsidenten zu der Höhe der Finanziellen Zuwendungen seitens des Landes waren offensichtlich überraschend. Im nachmittäglichen Forum „Wald des Landes“ wollte der Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, Dr. Klaus Merker, sich auch auf wiederholter Nachfrage nicht festlegen, ob die zugesagten Mittel bei den Landesforsten auch für den Personalaufbau eingesetzt werden können.“

Die Niedersächsische Forstministerin hielt die Abschlussrede

Barbara Otte-Kinast, hielt die Abschlussrede. Auch sie forderte einen Personalaufbau. Ihre volle Unterstützung sagte sie den Privatwaldbesitzern zu. Einige wurden durch die Schadereignisse um Ihre Existenz gebracht. Wie soll eine Wiederbewaldung klimagerecht gehen, ohne den Einsatz hoher finanziellen Aufwendungen. Der Wald wird in den kommenden 30 Jahren vielerorts keine Einnahmen mehr abwerfen. Die notwendigen Investitionen in Aufforstung und Pflege stellt gerade für Waldeigentümer kleiner und kleinster Waldflächen eine nicht zu stemmende Herausforderung dar. Die derzeit bezifferte Schadfläche in Niedersachsen beläuft sich auf 20.000 Hektar. Diese gilt es in den kommenden Jahren wieder aufzuforsten. Hierfür werden und 150 Millionen Euro benötigt! Hier wird die öffentliche Hand helfen müssen, so Otte-Kinast.

Fünf Foren am Nachmittag, in denen angeregt diskutiert wurde

Der Nachmittag galt der Diskussion in fünf verschieden Foren, zu denen sich die Teilnehmer angemeldet haben. „Wald wofür“, „Wald ist Eigentum“, „Wald des Landes“. „Waldnatur der Zukunft“ und Wald und Arbeit“ hießen die Gesprächsrunden. Auch hier war man sich einig, dass es deutlich mehr Personal geben muss. Der Waldauf- und umbau kann nur mit allen Waldinteressengruppen geschehen. „Wir müssen mehr miteinander und weniger übereinander reden“ so die Forderung. Das öffentliche Anprangern von Waldeigentümern und Förstern in den Medien muss aufhören. Die Wälder, die wir heute vorfinden sind geschichtlich geprägt. Nach den Reparationshieben der Siegermächte galt es die öffentlichen Bedürfnissen nach Bauholz zu erfüllen. Das gelang nur durch den Anbau schnellwachsender Nadelbäume. Ein Umbau der so entstandenen Reinbestände zu stabilen Mischwäldern, kann nicht von heut auf morgen geschehen. Deshalb ist es wichtig überzogene Forderungen durch Gespräche in realistische umzuwandeln. Die Risikostreuung, das Setzen auf verschiedene Baumarten, mit Integration fremdländischer Baumarten, ist eine wichtige Möglichkeit für Forstbetriebe, sich dem Klimawandel zu stellen.

Fazit

Die Veranstaltung wurde als sehr gelungen und zur richtigen Zeit platziert empfunden – so die Worte unseres Ministerpräsidenten. Das zeigte auch das mediale Interesse. Neben der örtlichen Presse, war der NDR mit Funk und Fernsehen, SAT 1 und RTL vertreten. Noch am selben Tag erfolgten die Ausstrahlungen auf den regionalen Sendern. Die Kernforderung der Tagung war mehr Personal und mehr Geld für die Forstbetriebe.

Und wie geht es weiter

Die Auswertung aus den Foren wird baldmöglichst zusammengestellt um daraus konkrete Vorschläge oder Forderungen abzuleiten und in die Politik einzuspeisen. Für uns wird im Fokus das Thema Personal stehen: Die Landwirtschaftskammer weist auf ihren Bedarf hin, die Möglichkeiten der Finanzierung sind jedoch unklar. Es gibt das klare politische Signal des Personalmehrbedarfes auch für den Landeswald – der Vorstand der Landesforsten scheint dies derzeit aber nicht zu wollen.

Wir sehen: das Forum war gut, aber nur ein Baustein auf dem Weg zu Verbesserungen für den niedersächsischen Wald!