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Borkenkäferkatastrophe in Niedersachsens Wäldern, BDF fordert Krisengipfel

Erstellt von LV | |   News

Der Bund Deutscher Forstleute, Landesverband Niedersachsen, richtet eine dringende Bitte an die Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: Frau Ministerin, laden Sie zu einem Kri-sengipfel Wald ein! Stellen Sie sich an seine Spitze auf der Suche nach politischen Wegen zum Ausgleich der Belastungen für Waldbesitz und Forstpersonal!

Der Landesverbandsvorsitzende Dirk Schäfer begründet die Notwendigkeit: „Nach den Sturmschäden aus Herbst/Winter 2017/18 – auch die waren in vielen Bereichen schon dramatisch genug– bahnt sich für Wald und Waldbesitzer derzeit eine echte Katastrophe an. Und für uns Forstleute, die wir die Verantwortung für den Wald tragen, entsteht eine schier unlösbare Herausforderung: Durch die anhaltende Trockenheit in Verbindung mit dem noch reichhaltig vorhandenen bruttauglichen Holz aus den Sturmschäden haben die Borkenkäfer ein leichtes Spiel. Überall dort, wo Fichten und Lärchen wachsen, zeigen sich braune oder rote Baumkronen – abgestorbene Bäume. Und erst auf den zweiten Blick wird erkennbar, dass im Umfeld noch viel mehr befallene Bäume stehen. Deren unausweichliches Absterben wird von einer noch grünen Krone „verheimlicht“. Ganze Bestände lösen sich auf. “Fichten und Lärchen haben durch das fehlende Wasser keine Chance sich zu wehren. Sie benötigen Wasser, um Harz bilden zu können. Mit dem Harzfluss können sie sich der Borkenkäfer meist erwehren, die sich einbohrenden Käfer werden schlicht „im Harz ersäuft“ – das funktioniert aktuell aber überhaupt nicht mehr.“ Die Situation verschärft sich massiv durch einen im Zusammenbruch befindlichen Holzmarkt. Die Preise für sägefähiges Fichtenholz sind deutlich zurückgegangen, teilweise haben sie sich halbiert. Ein Ende ist nicht abzusehen, da große Schadholzmengen auch aus den anderen Bundesländern gemeldet werden. Dies bedeutet einen immensen Vermögensverlust bei den privaten wie öffentlichen Waldbesitzern. Ein Schaden von 100 Millionen Euro oder mehr ist durchaus realistisch. Auf der anderen Seite steht ein riesenhaft anwachsender Berg von Waldverjüngungsmaßnahmen: Forstleute wie Waldbesitzer sind verpflichtet – nach Gesetz und von Herzen – ihren Wald zu erhalten. Dazu müssen hunderttausende neue Bäume bezahlt und gepflanzt und schließlich noch über einen langen Zeitraum gepflegt werden. Ein Programm, dessen Umsetzung sich auf Jahre hinaus erstrecken und erhebliche Geldsummen verschlingen wird. All dies stellt eine Herausforderung dar, mit der die Forstleute Niedersachsens konfrontiert werden: Forstwirte und Forstwirtschaftsmeister, Förster in unterschiedlichsten Funktionen bis zum Forstwissenschaftler müssen das ungeplant anfallende Holz ernten, befallene Stämme ausfindig machen, die Borkenkäferplage versuchen einzudämmen und dann für die Verjüngung des Waldes sorgen. Die erheblichen Personaleinsparungen der letzten Jahrzehnte – vielerorts steht nur noch die Hälfte des seinerzeit vorhandenen Personals zur Verfügung – wirken sich nun massiv aus. Auch bei den Forstunternehmern zeigt sich der Mangel an qualifizierten Fachkräften. Der BDF ist sicher, dass das Land mehr Forstleute braucht, um diese Situation zu meistern und auch langfristig Waldbau und –wirtschaft auf qualitativ hohem Niveau betreiben zu können. Überhaupt noch nicht absehbar sind die Folgen der massiven Trockenheit bei der natürlichen Hauptbaumart in unserem Land, der Buche. Die Buche ist weit verbreitet, mag allerdings keine Klimaextreme. Vielerorts hat ihre herbstliche Laubfärbung aus der Not heraus schon Anfang August begonnen. Manche Bäume haben gar ihr noch grünes Sommerlaub fast auf einen Schlag abgeworfen. Die Buche kennt zwar glücklicherweise anders als Fichte und Lärche keinen klassischen Borkenkäfer – aber ihre Gesundheit wird erheblich beeinträchtigt sein. In den nächsten Jahren ist auf vielen Standorten mit Absterbeerscheinungen zunächst in den Baumkronen zu rechnen Nur die Eiche und die Kiefer wurzeln tief im Boden und scheinen auch die Trockenheit eini-germaßen mit Fassung zu tragen …