BDF News

Antrittsbesuch bei der neuen ML-Ministerin Otte Kinast

Erstellt von FB | |   LWK

Am 14. Mai fand das Antrittsgespräch vom BDF Niedersachsen bei der „neuen“ Ministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz (ML), Otte-Kinast (CDU), in Hannover statt. Der BDF Niedersachsen war durch Dirk Schäfer, Katharina Niebel, Jörg Becker und Volker Schulte vertreten. Vom Ministerium waren als Forstfachleute des Hauses außerdem Dr. Meyer-Ravenstein, Dr. Streletzki und Horst Buschalsky zu dem Gespräch hinzugezogen worden. Die Themen waren von uns intensiv vorbereitet, so dass zügig in den fachlichen Austausch eingestiegen werden konnten:

Zukunft der Forstbetreuung von Privat- und Genossenschaftswald in Niedersachsen

Obenauf liegt das Thema Forstbetreuung. Der BDF hat herausgestellt, dass die gegenwärtigen Betreuungsorganisationen eine hohe Akzeptanz bei den Waldbesitzern hat. Die Bündelung von Beratung und Betreuung ist dabei eine große Stärke und macht das System krisensicher (Naturkatastrophen!). Dies wird von den Vertretern des ML auch so gesehen und es wurde versichert, dass „Bewährtes nicht über Bord gehen soll“.

Es wurde aber auch deutlich, dass das ML Handlungsbedarf sieht und nicht auf „Abwarten“ setzt, was z. B. in anderen Ländern  passiert. Problem sind dabei die mittelbaren Beihilfen des Landes zur Forstbetreuung über Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Betreuung Privat- u. Kommunalwald, kurz LWK) und den Niedersächsischen Landesforsten (Betreuung von Landeswald und einigen genossenschaftsforsten, kurz NLF). Diese sind aus ML-Sicht mit den Vorgaben des neuen § 46 BWaldG und des EU-Beihilferahmens unvereinbar. Derzeit stockt der Prozess, weil ML und LWK hierzu unterschiedliche Rechtauffassungen vertreten. 

Stärkung der Forstlichen Zusammenschlüssen (FBG)

Im weiteren Gespräch wurde jedoch auch erkennbar – und dies deckt sich mit dem Vortrag der Ministerin bei der Mitgliederversammlung des Waldbesitzerverbandes – dass  das ML bei der Forstbetreuung  den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen eine deutlich stärkere Rolle angedenkt oder mindestens für möglich hält. Der BDF  hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass bei den Forstleuten, aber auch bei den Waldbesitzern inzwischen wegen des wenig transparenten Prozesses eine große Unruhe herrscht.

Dazu hat der BDF eingefordert, dass auch die Beschäftigten über ihre Berufsverbände in der Arbeitsgruppe im ML Gehör finden. Im Vergleich zu anderen Bundesländern und auch zu ähnlichen Prozessen in der niedersächsischen Vergangenheit ist es irritierend, dass dies bislang noch nicht der Fall ist. Da uns diese Forderung so immens wichtig war, haben wir hierzu im Vorfeld des Gespräches Kontakt mit der IG BAU aufgenommen und dies als gemeinsame Forderung transportiert. Die Ministerin hat in dem Gespräch dann auch spontan zugesagt, dass dem Rechnung getragen wird!

 

Die derzeitige Ausbildungssituation mit drei Einstellungsbehörden ML, NLF und LWK – wäre eine Zusammenlegung der Ausbildung unter einem Dach nicht sinnvoller?

Ein weiteres Schwerpunktthema war die unbefriedigende Ausbildungssituation bei den forstlichen Nachwuchskräften im gehobenen Forstdienst. Derzeit gibt es 3 Ausbildungsplattformen: Anwärter des ML für die NLF, Anwärter der LWK und Trainees direkt bei den NLF. Diese wiederum mit zum Teil sehr unterschiedlichen Bedingungen der Ausbildung hinsichtlich Bezahlung und Ausstattung – aber letztlich ähnlicher Berufsperspektive. Eine einheitliche Ausbildungsplattform wäre aus unserer Sicht wünschenswert.

Arbeitsbelastung auf der Revierebene – ein ständig widerkehrendes Thema!

Sehr deutlich hat der BDF auf die unmäßige Arbeitsbelastung vor allem bei Bezirks- und Revierförstereien hingewiesen. An verschiedenen Beispielen haben wir deutlich  gemacht, dass es keine Frage der Zukunft ist, ob wir unseren eigenen Qualitätsansprüchen noch gerecht werden. Bereits jetzt sind die meisten Förster angesichts steigender Anforderungen an Waldbau, Naturschutz, Arbeitssicherheit, Dokumentationspflichten u.v.m. zeitlich nicht mehr in der Lage, das zu verwirklichen was beispielsweise im LÖWE-Programm schön bebildert ist. Und auch verpflichtende Vorgaben sind zuweilen nur schwer einzuhalten.

Die Vertreter des Ministeriums haben dies zur Kenntnis genommen: eine Lösung wäre nur mehr Personal (und damit mehr Geld oder weniger Ertrag) oder eine Absenkung der Normen. Für beide Wege gibt es keine einfachen Lösungen. Es kann allerdings nicht sein, dass die Forstleute vor Ort mit diesem Spagat zwischen zeitlichen Ressourcen und Aufgabenfülle allein gelassen werden! Dies gilt es hartnäckig zu verfolgen.

Zukunft des Waldbeirates – Begründet unter dem Vorgängerminister Meyer (Grüne)

Neben weiteren am Rande besprochenen Themen haben wir eine Lanze zugunsten des Waldbeirates gebrochen: dieses in der letzten grün geführten Legislaturperiode eingerichtete Gremium ist eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich alle Interessengruppen in Sachen Wald zusammenfinden. Bei aller Skepsis gegenüber diesem Gremium ist die Überarbeitung des Programmes „Wälder für Niedersachsen“ in den schwierigen Jahren von Minister Meyer (Grüne) ein Ausweis des Erfolges. Es wäre gut, wenn der Waldbeirat erhalten bliebe!

Und als Gesamtfazit:

es war deutlich zu merken, dass die Ministerin keine Frau langer Debatten, sondern klarer Wege und Entscheidungen ist. So mündeten die einzelnen Themen immer in die Frage, was darauf nun konkret folgt. Dies ist ein guter Auftakt für die anstehenden großen Themen der Forstpolitik!

v.l. vom BDF V. Schulte, K. Niebel, J, Becker, D. Schäfer, Ministerin B. Otte-Kinast, Dr. D. Meyer-Ravenstein, Dr. H.-W. Streletzki, H. Buschalsky